Work smarter not harder! Neue Tagebuchstudie zeigt: Nicht jede Job-Crafting-Strategie macht motivierter oder energiegeladener
Wer seine Arbeitsabläufe aktiv optimiert, bleibt über den Tag motivierter – und schont dabei sogar seine Energie. // Quelle Pixabay
Viele Beschäftigte gestalten ihre Arbeit im Alltag aktiv um: Sie holen sich Rückmeldung von Kolleg*innen, übernehmen zusätzliche Aufgaben, versuchen belastende Tätigkeiten zu reduzieren oder ihre Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten. Dieses sogenannte „Job Crafting" gilt gemeinhin als förderlich für Motivation und Wohlbefinden. Die jetzt in der Fachzeitschrift „Applied Psychology" veröffentlichte Tagebuchstudie zeigt jedoch: Die vier gängigen Job-Crafting-Strategien wirken sich sehr unterschiedlich auf das tägliche Arbeitsengagement und den Energiehaushalt von Beschäftigten aus.
Für die Studie füllten 95 Beschäftigte über eine Arbeitswoche hinweg dreimal täglich Fragebögen aus: vor der Mittagspause, danach und am Ende des Arbeitstages. Insgesamt flossen 327 vollständige Tagesdatensätze in die Analyse ein. Erfasst wurden vier Strategien: das Suchen nach Ressourcen (z. B. um Feedback bitten), das Suchen nach Herausforderungen (z. B. zusätzliche Aufgaben übernehmen), das Optimieren von Anforderungen (z. B. Arbeitsabläufe effizienter gestalten) sowie das Reduzieren von Anforderungen (z. B. belastende Aufgaben vermeiden).
Die Ergebnisse zeigen: Wer an einem Tag verstärkt seine Arbeitsanforderungen optimiert, erlebt dadurch mehr Autonomie und Kompetenzerleben – und ist in der Folge engagierter bei der Arbeit. Überraschenderweise schont diese Strategie zugleich die Energie: Statt am Ende des Tages erschöpfter zu sein, berichteten Beschäftigte an solchen Tagen von weniger Energieverlust. Auch das Suchen nach Ressourcen wirkte sich über den Tag hinweg energiesparend aus. Ganz anders das Bild beim Reduzieren von Anforderungen: Diese Strategie ging mit geringerem Kompetenzerleben, weniger Engagement und mehr Energieverlust am Ende des Tages einher. Das Suchen nach Herausforderungen zeigte hingegen kaum Effekte – vermutlich auch, weil Beschäftigte diese Strategie im Studienzeitraum eher selten einsetzten.
„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass gerade das Optimieren von Arbeitsanforderungen eine besonders wertvolle Strategie ist", sagt Projektleiterin Frau Dr. Laura Berkemeyer. „Wer seine Arbeitsabläufe aktiv effizienter gestaltet, arbeitet nicht nur motivierter, sondern schont dabei auch seine Energiereserven – ganz im Sinne von Work smarter not harder!"
Für die Praxis empfehlen die Forschenden, gezielt eine Unternehmenskultur zu fördern, in der Beschäftigte lernen, ihre Arbeitsabläufe zu optimieren – etwa durch Schulungen, in denen Ineffizienzen erkannt und Prozesse verbessert werden. Führungskräfte können dabei als Vorbilder fungieren, indem sie selbst aktiv Anforderungen optimieren, und ihren Teams entsprechende Freiräume sowie passende Werkzeuge (z. B. Projektmanagement-Software) zur Verfügung stellen.
Link zur Veröffentlichung: Berkemeyer, L., Binnewies, C., Hilbert, M., & Xanthopoulou, D. (2026). Disentangling daily job crafting: A diary study on motivational and energetic outcomes. Applied Psychology. DOI: https://doi.org/10.1111/apps.70130